Aufbau des Auges
Das menschliche Auge funktioniert ähnlich wie eine Kamera. Licht tritt durch die Hornhaut und die Linse ein und wird auf die Netzhaut (Retina) im Augenhintergrund fokussiert. Dort befinden sich zwei Arten von Photorezeptoren: Zapfen und Stäbchen.
Zapfen sind für das Farbsehen und die Sehschärfe bei guten Lichtverhältnissen zuständig. Sie konzentrieren sich in der Fovea — dem Bereich des schärfsten Sehens. Stäbchen ermöglichen das Sehen bei schwachem Licht (Dämmerung, Nacht), sind aber farbenblind und haben eine geringere Auflösung.
Sehen bei Tag und Nacht
Tagsehen (photopisches Sehen): Die Zapfen sind aktiv, die Sehschärfe ist hoch, Farben werden erkannt. Direkt auf ein Objekt schauen liefert das schärfste Bild.
Nachtsehen (skotopisches Sehen): Die Stäbchen übernehmen. Da die Stäbchen in der Fovea kaum vorhanden sind, ist das Sehen nachts am besten, wenn man leicht an einem Objekt vorbeischaut (Seitliches Sehen / Off-Centre Viewing). Die vollständige Dunkeladaption dauert 20–30 Minuten — und wird durch helles Licht sofort zerstört.
Empty-Field Myopia und Scanning
Bei fehlenden visuellen Referenzen (z. B. über Wolken, über Wasser, bei Dunst) kann das Auge auf eine Nahentfernung von ca. 1–2 Metern fokussieren — sogenannte Empty-Field Myopia. Entfernte Objekte wie andere Flugzeuge werden dann nicht erkannt.
Ein effektives Scanning-Muster ist daher entscheidend. Die empfohlene Technik: Den Horizont in Sektoren einteilen, jeden Sektor ca. 2 Sekunden fixieren, dann systematisch zum nächsten übergehen. Mindestens 10 Sekunden pro Scanzykulus.
Optische Täuschungen im Flug
Verschiedene Bedingungen können optische Täuschungen verursachen. Eine breitere als normale Piste lässt den Piloten glauben, er sei höher als tatsächlich → Gefahr eines zu tiefen Anflugs. Eine schmalere Piste erzeugt den gegenteiligen Effekt.
Ansteigende Geländeneigung vor der Piste oder Regen auf der Windschutzscheibe können ebenfalls zu Fehleinschätzungen der Höhe führen. Nachts ist die Gefahr besonders groß, da weniger visuelle Referenzen vorhanden sind (Black Hole Approach).
- Zapfen: Farbsehen, Sehschärfe, Fovea (Tagsehen)
- Stäbchen: Schwachlicht, keine Farbe, Off-Centre Viewing (Nachtsehen)
- Dunkeladaption: 20–30 Minuten, durch helles Licht sofort zerstört
- Empty-Field Myopia: Auge fokussiert auf 1–2 m bei fehlenden Referenzen
- Scanning: Sektoren, je ca. 2 Sekunden fixieren
- Pistenbreite beeinflusst Höhenwahrnehmung: breiter = fühlt sich höher an
- 1Warum sollte man nachts leicht am Objekt vorbeischauen?
- 2Wie lange dauert die vollständige Dunkeladaption?
- 3Was ist Empty-Field Myopia und wann tritt sie auf?
- 4Welche optische Täuschung entsteht bei einer ungewöhnlich breiten Piste?